Mehr Arabisch im Alltag? VAE planen neues Sprachgesetz

Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat ein neues Sprachgesetz angekündigt, das die Stellung des Arabischen in vielen Lebensbereichen stärken soll. Das Vorhaben beschränkt sich dabei nicht auf kultur- und bildungspolitische Maßnahmen, sondern wird praktische Folgen für den Alltag von Unternehmen und Einwohnern in den Emiraten haben.

Ein neues Sprachgesetz

Im Mai 2026 wurde dem Federal National Council der VAE ein bislang unveröffentlichter Gesetzesentwurf für ein neues Sprachgesetz vorgelegt, das ab 2027 in Kraft treten soll. Dieses soll die Stellung des Arabischen in vielen Bereichen stärken.

Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um ein kulturpolitisches Thema zu handeln. Tatsächlich könnte das Gesetz jedoch sehr konkrete Auswirkungen auf den Alltag haben: für Behörden, Schulen, Unternehmen, Werbung, das Gesundheitswesen und die öffentliche Kommunikation.

Die emiratische Sprachenpolitik

Bei einer Reise nach Dubai, Abu Dhabi oder in eines der anderen Emirate fällt schnell auf: Arabisch ist zwar allgegenwärtig, im Alltag werden jedoch oft andere Sprachen verwendet. In Geschäften, Hotels, Büros, auf Messen oder im Kundenservice wird häufig Englisch oder eine andere Sprache gesprochen. Das hängt mit der besonderen Bevölkerungsstruktur des Landes zusammen.

Die einheimischen emiratischen Staatsbürger stellen nur einen sehr kleinen Teil der Gesamtbevölkerung dar, etwa 11,5 Prozent im Jahr 2026. Der übergroße Bevölkerungsanteil besteht aus Menschen, die aus anderen Ländern zum Arbeiten in die VAE gekommen sind, beispielsweise aus Südasien, Südostasien, arabischen Staaten, Europa und vielen anderen Regionen. Dadurch ist der Alltag in den Emiraten stark mehrsprachig geprägt, und arabische Muttersprachler sind deutlich in der Minderheit.

Gleichzeitig ist Arabisch in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht einfach eine von mehreren Sprachen. Es ist die Muttersprache der einheimischen Bevölkerung, die Sprache staatlicher Identität und ein zentraler Bezugspunkt für das kulturelle Selbstverständnis des Landes und seiner Einwohner. Vor allem aber ist Arabisch gemäß Artikel 7 der emiratischen Verfassung die einzige offizielle Amtssprache.

Vor diesem Hintergrund gibt es bereits seit vielen Jahren zahlreiche Initiativen zur Förderung des Arabischen: Programme für mehr und besseren Arabischunterricht, institutionelle Maßnahmen, Übersetzungsfonds, Strategiepapiere, Erklärungen sowie politische Empfehlungen und viele symbolische Maßnahmen.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die emiratische Arabischpolitik – anders als in anderen arabischen Ländern – keinen normativen Fokus auf das Hocharabische legt. Sie beharrt also nicht darauf, dass nur das Hocharabische die einzig wahre arabische Sprache sei und der gesprochene Dialekt eine minderwertige Abweichung vom Ideal darstelle. Im Gegenteil: Es gibt sogar staatlich geförderte Sprachkurse in „Emirati Arabic“ für Expatriates. Seit 2025 wird in der Medienpolitik außerdem vorgegeben, dass in den emiratischen Medien nur emirische Staatsbürger im emiratischen Dialekt sprechen dürfen, um diesen vor einer „Entstellung“ durch Nichtemiratis zu schützen. Mehr dazu berichtet die BBC.

Arabisch vs. Englisch im Alltag

Wer die VAE als Tourist bereist oder als Expat längere Zeit im Land lebt, kommt ohne Arabischkenntnisse gut zurecht. Für viele Menschen und Unternehmen spielt Arabisch im Alltag keine große Rolle. Man begegnet der Sprache höchstens bei der Ankunft am Flughafen oder im Flugzeug bei offiziellen Durchsagen, im Stadtbild auf Plakaten oder auf Ladenbeschriftungen, die aufgrund rechtlicher Vorgaben schon bisher auch auf Arabisch vorhanden sein müssen.

Offizielle Dokumente und Regierungswebsites werden durchgängig bilingual in Arabisch und Englisch erstellt. Das Gleiche gilt für offizielle Verträge und Urkunden, wobei allerdings vor Gericht die arabische Fassung stets ausschlaggebend ist. Auch im beruflichen Kontext und in der Privatwirtschaft spielt Arabisch oft keine große Rolle. Im Bildungsbereich kommen die meisten Kinder jedoch zumindest mit Arabisch in Kontakt, da in allen Schulen eine Mindestanzahl an Arabischunterricht vorgeschrieben ist.

Was wird sich ändern?

Den bisherigen Berichten zufolge soll das neue Gesetz die Rolle des Arabischen in zehn zentralen Bereichen stärken. Die genaue Liste der Bereiche wird je nach Bericht etwas unterschiedlich zusammengefasst, aber einige Punkte tauchen immer wieder auf.

Dazu gehören unter anderem die Verwendung des Arabischen in Behörden und staatlichen Verfahren, im Kundenservice von Unternehmen, bei Veranstaltungen mit Publikumskontakt, im Bildungsbereich und an Hochschulen, in der Werbung und in öffentlichen Kampagnen, im Gesundheitswesen, in den Medien und in der Kultur sowie bei Übersetzungen und Dolmetscherdiensten bei Konferenzen und Veranstaltungen.

Laut Medienberichten könnte dies konkret bedeuten, dass beispielsweise Unternehmen im Gesundheitsbereich und im Kundenservice arabischsprachige Mitarbeitende einstellen müssen, dass Arabisch in den internen Unternehmensabläufen stärker verankert werden muss und dass bei Veranstaltungen mit nichtarabischsprachigen Rednern eine Verdolmetschung bereitgestellt werden muss.

Mehr als nur Symbolpolitik

Sprachpolitik hat stets auch eine symbolische Dimension. Das galt in den VAE bisher ganz besonders. Wenn politische Akteure betonten, dass Arabisch geschützt werden müsse, dann ging es dabei fast immer auch um Zugehörigkeit und Identität sowie um die Frage, wie ein Land sein kulturelles Profil angesichts einer zahlenmäßigen Übermacht von Migranten behaupten kann.

Diesmal ist jedoch interessant, dass die Debatte offenbar stärker in den Bereich der konkreten Regulierung hineinreicht. Wenn ein Gesetz vorschreibt, dass in bestimmten Situationen arabischsprachiges Personal anwesend sein muss, Werbematerial auf Arabisch oder eine Verdolmetschung ins Arabische bei Konferenzen bereitgestellt werden muss, dann hat das unmittelbare praktische Folgen. Zumal es Anzeichen gibt, dass die gesetzlichen Vorgaben mit Sanktionen und Anreizen versehen werden sollen.

Was noch offen ist

So interessant die bisherigen Berichte auch sind: Der konkrete Gesetzestext wurde bislang nicht veröffentlicht. Deshalb bleiben Fragen offen: Welche Einrichtungen und Branchen werden von welchen Pflichten genau erfasst? Welche Sanktionen drohen bei Verstößen? Wie wird zwischen Arabisch als symbolischer Präsenz und Arabisch als praktisch nutzbarer Sprache unterschieden? Reicht eine KI-generierte Übersetzung oder Verdolmetschung – mit der zwangsläufig einhergehenden Fehleranfälligkeit und der Gefahr von Reputationsschäden und Haftungsrisiken – aus, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen?

Ich werde die Entwicklung weiter beobachten. Wenn du auf dem neuesten Stand rund um die arabische Sprache bleiben willst, empfehle ich dir meinen Newsletter „Falkenpost“. Jetzt abonnieren!

Bildquelle: KI-generiert.

Text & Recherche: Dr. Daniel Falk